Mutige Unternehmer investierten
Osterode Die Textilindustrie war im 19. Jahrhundert wesentlicher Bestandteil des Osteroder Gewerbes.
Die Wollstofffabrik Greve & Uhl gab vielen Menschen Arbeit. Heute beherbergt die einstige Produktionshalle ein Bowling-Center.

Mit 12 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen kalkuliert die Stadt Osterode in ihrem aktuellen Haushalt.
Das ist schon eine Hausnummer, die den großen Stellenwert belegt, den Handel und Gewerbe in der
Sösestadt noch heute einnehmen. „Herausforderungen des stetigen Wandels wurden in Osterode gut
gemeistert, so dass wir heute auf eine breite Palette moderner Industrie blicken können“,
lobt Bürgermeister Klaus Becker im Standortmagazin der Stadt einen guten Mix verschiedener Branchen.
Und der kommt nicht von ungefähr.

Wichtiger Industriestandort
 

„Herausforderungen des stetigen Wandels wurden in Osterode gut gemeistert.“Klaus Becker, Bürgermeister von Osterode, im Standortmagazin der Stadt.

Denn wer mit einem Blick für Industriegeschichte Osterode erkundet, der stößt immer wieder
auf Zeugnisse alter Produktionsstätten, denn seit Jahrhunderten wurden hier qualitätvolle Waren gefertigt,
die zum Teil in die ganze Welt gingen, wie die Bleiweißfarben der Schachtruppschen Fabrik.

Schon im Mittelalter verhüttete man das Eisen des Harzes und verarbeitete das Metall, wurde Gipsabbau betrieben,
wurden Stoffe gewebt. Im ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhundert entwickelte sich Osterode auch aufgrund seiner
günstigen Lage zu einem der bedeutendsten Industriestandorte im damaligen Königreich Hannover.


Bis heute haben sich zahlreiche Industriedenkmale und Villen einst wohlhabender Fabrikanten erhalten, die zum Teil vom
Verfall bedroht sind, oder, in seltenen glücklichen Fällen, wiederbelebt und in die Zukunft geführt werden,
wie die weitläufige Anlage der sogenannten Eulenburg.
 

Bedeutsame Textilindustrie

Für Osterode besonders bedeutsam war zweifellos die Textilindustrie, die Mitte des 19. Jahrhunderts mit 36 Betrieben 30 Prozent des Gewerbes ausmachte. Während schon 200 Jahre vorher in der durch Mauern
geschützten Stadt viele Zeug- und Raschmacher sowie Leineweber ihrem Handwerk nachgingen, erreichte die
Produktion
Anfang des 19. Jahrhunderts ganz andere Dimensionen. Findige Unternehmer hatten neue Technologien aus
England aufgegriffen und moderne Manufakturen errichtet, in denen Spinn- und Webmaschinen schneller und
billiger als bisher produzieren konnten. Zu den bahnbrechenden Neuerungen gehörte damals die Erfindung der
Spinn- und der Dampfmaschine 1765 sowie des mechanischen Webstuhls 1785
.
Die meisten Betriebe standen am Mühlengraben, der alten Lebensader Osterodes, an der sich Betrieb um Betrieb
wie an einer Perlschnur aufreihten, denn die Maschinen wurden zunächst mit Wasserkraft, später dann zum Teil
mit Dampf betrieben.
 

Pionierarbeit geleistet

Mit dem textilen Erwerbszweig untrennbar verbunden sind in der Sösestadt Namen wieStruve oder Greve & Uhl. Friedrich Struve gründete 1775 eine Flanellfabrik und gilt als Pionier
der Osteroder Industrialisierung. Er kaufte die damals schon fast 200 Jahre alte Pulvermühle von
der Stadt, die den Harzer Bergbau bis dahin mit Schwarzpulver versorgt hatte, und baute sie zur
Tuchfabrik um. Über sieben Generationen produzierte die Familie hochwertige Stoffe noch bis in
die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts.

Weltruhm erlangte das 1827 gegründete Unternehmen von Ludwig Greve und Eduard Uhl, die seit 1832
im Sösetal Wollstoffe produzierten und später vor allem durch ihre Kamelhaardecken bekannt wurden.
Im Ersten Weltkrieg etablierten sich die Decken mit dem typischen Mäanderband als Armeedecken des
Deutschen Heeres. Erich Uhl hatte 1913 die in Konkurs gegangene Osteroder Wolldeckenfabrik Quentin
übernommen und sie zum Filialbetrieb des Unternehmens gemacht. Greve & Uhl produzierten bis ins
Jahr 1965. Das Industrieensemble steht heute ebenso unter Denkmalschutz wie die Anlage der Struves
neben dem Piller-Gelände. Die sogenannte Eulenburg von Greve und Uhl blieb vollständig erhalten und
erfährt heute mannigfache Umnutzungen.


Bis zu 400 Arbeiter

Im Jahr 1884 entstand im Osteroder Ortsteil Freiheit die Wollwarenfabrik Allwörden und Badendieck, ausgestattet mit modernen Dampfmaschinen und elektrischem Licht. Die aus dem Raum Hamburg stammenden Unternehmer gaben bis zu 400 Arbeitern Lohn und Brot. In den Wirren der Weltwirtschaftskrise 1929 ging die Firma in den Konkurs. Die Kulisse des Industriedenkmals ist noch heute imposant, allerdings verfällt der Backsteinbau zusehends.

Von Michael Paetzold

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